Neues Projekt am Trier Center for Digital Humanities (TCDH) digitalisiert die Neubearbeitung des Grimmschen Wörterbuchs

Ob Hänsel und Gretel, Frau Holle oder Aschenputtel – die Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm sind weltbekannt. Doch die Brüder sammelten nicht nur überlieferte Geschichten, sondern sie legten mit ihrem Deutschen Wörterbuch (DWB) einen Grundstein für die germanistische Sprachwissenschaft. Ein Jahrhundertprojekt, das nach ihnen noch Generationen von Lexikographen beschäftigen sollte, denn das letzte Stichwort, das den Grimms zu Lebzeiten aus der Feder floss, war das Lemma "Furcht".

Erst 1960 wurde das DWB, das mit weit mehr als 300.000 Einträgen das größte Wörterbuch zur deutschen Sprachen ist, fertiggestellt. Manche der noch von den Brüdern Grimm selbst erarbeiteten Buchstabenstrecken A – F waren zu dieser Zeit schon über 100 Jahre alt und aus wissenschaftlicher Sicht häufig überholt – die Blindschleiche beispielsweise hatten die Grimms noch für eine "blinde, giftige Schlange" gehalten. Man hat sich daher schnell entschieden, die am stärksten veralteten Teile zu ersetzen. Daraus ist eine neunbändige Neubearbeitung entstanden, die Ende 2016 abgeschlossen wird.

Seit dem 1. Oktober 2016 arbeitet das TCDH in einem gemeinsamen Projekt mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen daran, die Neubearbeitung zur kostenfreien Nutzung im Internet zur Verfügung zu stellen.

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Vorhaben ist am Kompetenzzentrum bestens aufgehoben, da man sich hier auf die jahrelange Erfahrung im Bereich der Volltextdigitalisierung sowie der Erschließung, Bereitstellung und Vernetzung historischer Wörterbücher stützen kann. Beispielsweise wurde hier zwischen 1998 und 2003 bereits die 30 kg schwere und 32 Bände umfassende Erstbearbeitung des Deutschen Wörterbuchs digitalisiert und online publiziert. So wird die Nutzung dieses im doppelten Wortsinn gewichtigen Werkes für Forschende wie auch die breite interessierte Öffentlichkeit natürlich erheblich erleichtert.

Wie mit der Erstbearbeitung schon geschehen, sollen auch die neuen Bände zusätzlich mit bereits vorhandenen und im Internet frei verfügbaren Wörterbuchverbünden verknüpft werden. Damit stehen jedem z. B. im Trierer Wörterbuchnetz vielfältige und niedrigschwellige Recherche- und Verknüpfungsmöglichkeiten offen.