Forschungsgeschichten: Die Lutherbibel des Seidenstickers Hans Plock

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Carolin Geib zu Gast in Wittenberg

Carolin Geib zu Gast in Wittenberg

Carolin Geib, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Trier Center for Digital Humanities, ist im Rahmen eines einmonatigen Forschungsaufenthaltes im Oktober 2020 als angehende Doktorandin an der renommierten Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek (RFB) Wittenberg zu Gast.

Sie widmet sich vor Ort der Ergründung der Quellenbestände und Sekundärliteratur der RFB rund um die Kultur und Geschichte der Reformation, um die Erschließung und Auswertung der wertvollen Lutherbibel des Mainzer Seidenstickers Hans Plock voranzutreiben. Carolin Geib forscht  seit Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Anglistik im August 2018 an sprachgeschichtlichen Fragestellungen und Analysen zum Projektvorhaben „Digitalisierung der Bibel des Seidenstickers Hans Plock“, in dessen Rahmen gemeinsam mit Prof. Dr. Claudine Moulin ein Workshop, ein Blogbeitrag sowie eine Lehrveranstaltung „Die Hausbibel des Seidenstickers Hans Plock (um 1490-1570). Medium, Sprache, Kulturgeschichte“ (SoSe 2020) realisiert werden konnten. Ziel des gesamten Forschungsvorhabens ist die Digitalisierung sowie die inhaltliche Erschließung dieser wertvollen Lutherbibel.

Die zweibändige, bei Hans Lufft in Wittenberg gedruckte und nachträglich von Plock annotierte Bibelausgabe Luthers aus dem Jahr 1541 hat unschätzbaren (kultur-)historischen, kunsthistorischen und linguistischen Wert. Durch Plocks handschriftliche Annotationen und Kommentare zu zeitgenössischen politischen und theologischen Ereignissen, mit Zitaten Luthers sowie eingeklebten Bildelementen entsteht ein einmaliger Einblick in die Epoche der Reformation aus sehr persönlicher Perspektive, ähnlich der eines Tagebuches.

Für eine fundierte Recherche – in Vorbereitung auf die digitale Edition der Lutherbibel rund um den Kunsthandwerker, der als Seidensticker am Hof Albrechts von Brandenburg (1490-1545) arbeitete – ist für Carolin Geib die Sichtung relevanter Sekundärliteratur in Wittenberg unerlässlich. Die RFB verfügt über einen bedeutenden Gesamtbestand von ca. 220.000 Bänden, zu dem ein Altbestand von ca. 100.000 Titeln mit einem Schwerpunkt auf Drucken des 16. und 17. Jahrhunderts gehört. Darunter auch eins von drei wertvollen Büchern aus Plocks Privatbesitz, die einen Eindruck geben von seiner intensiven Auseinandersetzung mit der lutherischen Lehre.

Die Ergründung der Quellenbestände und Sekundärliteratur der RFB mit ihrem thematischen Schwerpunkt der Kultur und Geschichte der Reformation wird daher sicherlich inspirierender und gewinnbringender Forschungsaustausch mit den Wittenberger Kollegen sein.

Ansprechpartnerin: Carolin Geib